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Der Boden entscheidet, wie ein Sturz endet: Die DIN EN 1177 regelt, wie stoßdämpfende Spielplatzböden geprüft werden. Dieser Ratgeber erklärt kritische Fallhöhe und HIC-Wert, vergleicht alle gängigen Fallschutz-Materialien von Sand bis EPDM und zeigt, worauf Kommunen, Kitas und Planer bei Auswahl, Einbau und Wartung achten müssen.
Während die DIN EN 1176 die Spielplatzgeräte selbst regelt, widmet sich die DIN EN 1177 dem Boden darunter: Sie beschreibt das Prüfverfahren, mit dem die stoßdämpfende Eigenschaft eines Belags bestimmt wird. Im Falltest wird ein instrumentierter Prüfkopf aus zunehmender Höhe auf den Boden fallen gelassen und die Kopfbelastung als HIC-Wert (Head Injury Criterion) gemessen. Die Höhe, bei der der Grenzwert von 1000 erreicht wird, ist die kritische Fallhöhe des Bodens.
Die Grundregel
Kritische Fallhöhe des Bodens ≥ freie Fallhöhe des Geräts. Immer.
Ab wann Pflicht?
Stoßdämpfender Boden ab 60 cm freier Fallhöhe, bei erzwungener Bewegung (Schaukeln, Karussells) grundsätzlich.
Wer weist es nach?
Schüttmaterialien über genormte Körnung + Schichtdicke; gebundene Beläge über das Prüfzeugnis des Herstellers.
Die freie Fallhöhe jedes Geräts finden Sie bei SpieleViertel direkt in den Produktdaten - zusammen mit der erforderlichen Fallschutzfläche. So lässt sich der Bodenaufbau schon in der Planung dimensionieren.
Alle gängigen Beläge im Überblick - mit typischer kritischer Fallhöhe, Kostenniveau, Barrierefreiheit und Pflegeaufwand. Bei Schüttmaterialien hängt die zulässige Fallhöhe an Körnung und Schichtdicke, bei gebundenen Belägen entscheidet das Prüfzeugnis des jeweiligen Produkts.
| Material | Kritische Fallhöhe | Kosten | Barrierefrei | Pflege |
|---|---|---|---|---|
| Rasen / Oberboden | bis 1,00 m (ohne Prüfnachweis) | sehr gering | nein | Mähen, Nachsäen; bei starker Nutzung schnelle Verdichtung |
| Spielsand (gewaschen, 0,2-2 mm) | bis 2,00 m bei 30 cm / bis 3,00 m bei 40 cm Einbautiefe | gering | nein | Regelmäßig auflockern, nachfüllen, auf Verunreinigungen prüfen |
| Feinkies (2-8 mm, gerundet) | bis 2,00 m bei 30 cm / bis 3,00 m bei 40 cm Einbautiefe | gering | nein | Auflockern und nachfüllen; weniger Austrag als Sand |
| Holzschnitzel / Rindenmulch (5-30 mm) | bis 2,00 m bei 30 cm / bis 3,00 m bei 40 cm Einbautiefe | gering | nein | Verrottet: jährlich nachfüllen, alle paar Jahre austauschen |
| Fallschutzplatten (Gummigranulat) | je nach Plattendicke geprüft bis ca. 3,00 m | mittel bis hoch | ✓ ja | Reinigen, auf Kantenschäden und Verschleiß prüfen |
| EPDM / Gussgummi (in situ) | je nach Aufbaudicke geprüft bis über 3,00 m | hoch | ✓ ja | Sehr gering: reinigen, punktuell reparieren |
| Kunstrasen mit Fallschutzunterlage | je nach Systemaufbau geprüft, typisch 1,50-3,00 m | mittel bis hoch | ✓ ja | Gering; Unterlage bestimmt die Dämpfung |
Rasen / Oberboden: Nur für niedrige Geräte; die stoßdämpfende Wirkung hängt stark von Witterung und Zustand ab.
Spielsand (gewaschen, 0,2-2 mm): Klassiker mit hohem Spielwert; Schichtdicke muss dauerhaft gehalten werden (Verwehung, Austrag).
Feinkies (2-8 mm, gerundet): Sehr gute Dämpfung, wird kaum von Tieren angenommen; für U3-Bereiche wegen Verschluckbarkeit abwägen.
Holzschnitzel / Rindenmulch (5-30 mm): Natürliche Optik, ideal für naturnahe Spielräume; Entwässerung einplanen.
Fallschutzplatten (Gummigranulat): Kritische Fallhöhe ergibt sich aus dem Prüfzeugnis des Herstellers je Plattentyp; einfacher Einbau, auch nachträglich.
EPDM / Gussgummi (in situ): Fugenlos, gestalterisch frei (Farben, Hügel), erste Wahl für inklusive Spielplätze; professioneller Einbau nötig.
Kunstrasen mit Fallschutzunterlage: Grüne Optik bei voller Befahrbarkeit; auf geprüftes Gesamtsystem achten.
Die Angaben in der Spalte »Kritische Fallhöhe« sind bereits Einbautiefen: Auf die Mindestschichtdicke kommen 10 cm Zuschlag, weil loses Material im Spielbetrieb verdrängt wird. Für 2,00 m Fallhöhe heißt das 20 cm Mindestschicht + 10 cm = 30 cm Einbautiefe, für 3,00 m entsprechend 30 cm + 10 cm = 40 cm.
Quelle der Fallhöhen- und Schichtdickenwerte: DGUV Information 202-022 »Außenspielflächen und Spielplatzgeräte« (Mai 2020), Abschnitt 5.1 - frei veröffentlicht von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, dort in Anlehnung an die DIN EN 1176. Kosten, Barrierefreiheit und Pflegeaufwand sind eigene redaktionelle Einschätzungen. Verbindlich ist die jeweils aktuelle Normfassung.
Die Referenztabelle nach DGUV Information 202-022: Welches Material trägt welche freie Fallhöhe - und welche Schichtdicke muss dafür mindestens vorhanden bzw. eingebaut sein.
| Material | Min. Schichtdicke | Max. Fallhöhe | Einbau-Schichtdicke¹ | Beschreibung |
|---|---|---|---|---|
| Sand (0,2 - 2 mm)¹ ² | 200 mm / 300 mm | 2000 mm / 3000 mm | 300 mm / 400 mm | Es sollte ausschließlich gewaschener Rundkornsand verwendet werden. |
| Kies (2 - 8 mm)¹ ² | 200 mm / 300 mm | 2000 mm / 3000 mm | 300 mm / 400 mm | Für den Fallschutz sollte ausschließlich gewaschener Rundkies verwendet werden. |
| Holzhackschnitzel¹ | 200 mm / 300 mm | 2000 mm / 3000 mm | 300 mm / 400 mm | Mechanisch zerkleinertes Holz ohne Rinden- und Laubanteile (keine Holzwerkstoffe), Korngröße 5 mm bis 30 mm. |
| Rindenmulch¹ ⁴ | 200 mm / 300 mm | 2000 mm / 3000 mm | 300 mm / 400 mm | Zerkleinerte Rinde aus Nadelholz mit einer Korngröße von 20 mm bis 80 mm. |
| EPDM-Fallschutzbelag | Produktabhängig | 3000 mm | Produktabhängig | Muss gemäß DIN EN 1177 durch eine individuelle HIC-Prüfung geprüft werden. |
| Rasen³ | - | 1000 mm; DE: 1500 mm | - | - |
| Oberboden | - | 1000 mm | - | - |
| Bitumengebundene Oberflächen | - | 600 mm | - | - |
| Beton/Stein | - | 600 mm | - | - |
Gerätetyp und freie Fallhöhe einstellen. Der Rechner zeigt übliche Bodenbeläge mit Schichtdicke und den Freiraum, der für diesen Gerätetyp gilt.
Nur falls Sie den Belag schon gewählt haben: Der Wert steht im Prüfzeugnis bzw. Datenblatt Ihrer Fallschutzplatten oder Ihres EPDM-Belags. Ohne Angabe bleibt es beim allgemeinen Hinweis.
Stoßdämpfender Fallschutz
Erforderlich (Fallhöhe > 0,60 m)
Freiraum (hindernisfrei)
1,50 m
Übliche Ausführungen bei dieser Fallhöhe - keine Freigabe für Ihre konkrete Anlage:
Bei losem Schüttmaterial +100 mm auf die Mindestschichtdicke (Wegspieleffekt).
Passende Spielgeräte im Katalog findenOrientierungshilfe, keine verbindliche Auskunft. Die Werte stammen aus der DGUV Information 202-022 »Außenspielflächen und Spielplatzgeräte« (Abschnitt 5.1). Verbindlich sind allein die aktuellen Fassungen der DIN EN 1176/1177, die Prüfzeugnisse des jeweiligen Belags und die Angaben des Geräteherstellers.
Planung, Einbau und Abnahme gehören in die Hand einer fachkundigen Person. Eine Haftung für Ergebnisse dieses Rechners ist ausgeschlossen.
Knappes Budget, viel Fläche
Schüttmaterialien (Sand, Kies, Holzschnitzel) dämpfen hervorragend und kosten wenig - wenn die laufende Pflege organisiert ist. Ideal für großzügige öffentliche Spielplätze.
Inklusiv & intensiv genutzt
Fallschutzplatten oder EPDM: befahrbar, dauerhaft eben, minimaler Pflegeaufwand. Der höhere Einbaupreis amortisiert sich über die geringen Betriebskosten - und ist ein starkes Argument im Förderantrag.
Naturnaher Spielraum
Holzschnitzel und Rasen fügen sich optisch ein; Robinien-Geräte mit niedrigen Fallhöhen reduzieren den Fallschutzbedarf von vornherein.
Fallschutz direkt mitplanen
Jedes Produkt bei SpieleViertel nennt freie Fallhöhe und erforderliche Fallschutzfläche. Mit dem Fallschutz-Rechner bestimmen Sie das passende Material, und über die kostenlose Anfrage erhalten Sie Komplettangebote inklusive Bodenaufbau.
Fallschutz ist kein einmaliges Bauteil, sondern Teil der Betreiberpflichten nach DIN EN 1176-7. In der Praxis haben sich drei Ebenen etabliert:
Sichtprüfung (bis täglich, üblich wöchentlich)
Fremdkörper, Glasscherben, sichtbare Schäden, ausreichende Bedeckung an Landezonen (Rutschenauslauf, unter Schaukeln).
Operative Inspektion (alle 1-3 Monate)
Schichtdicken messen und Schüttmaterial auflockern/nachfüllen; gebundene Beläge auf Risse, offene Fugen und Frostschäden prüfen.
Jährliche Hauptinspektion
Durch eine befähigte Person; bewertet den Gesamtzustand inklusive Fallschutz. Bei Zweifeln an der Dämpfwirkung kann ein Falltest nach DIN EN 1177 vor Ort durchgeführt werden.
✓ Was Sie tun sollten
✕ Häufige Fehler
Hinweis: Redaktioneller Überblick (Stand 2026), ersetzt nicht die Lektüre der Norm oder die Beratung durch eine befähigte Person. Maßgeblich sind die aktuellen Normfassungen und Herstellerprüfzeugnisse.
Bei jedem Hersteller einzeln Kataloge anfordern und Preisen hinterhertelefonieren kostet Wochen. Ab dem 1. Oktober vergleichen Sie hier Spielplatzgeräte vieler Hersteller mit allen technischen Daten - und eine kostenlose Anfrage bringt Ihnen vergleichbare Angebote aller passenden Hersteller. Tragen Sie sich ein, Sie erfahren den Start als Erstes.