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Katalogware bestellen oder ein Gerät individuell entwickeln lassen?
Ein Ortsbezug, ein Beteiligungsprozess, eine schwierige Fläche - schnell steht die Frage im Raum, ob es das Sondergerät sein soll. Die Antwort hat weniger mit Gestaltungswillen zu tun als mit Zeitplan, Vergabeweg und der Frage, wer das Gerät in zwölf Jahren repariert. Der nüchterne Vergleich.
| Kriterium | Standardgerät aus dem Katalog | Sonderanfertigung |
|---|---|---|
| Lieferzeit | Kalkulierbar: je nach Hersteller und Auslastung meist wenige Wochen bis Monate ab Bestellung | Deutlich länger: Entwurf, Abstimmung, Statik, Prüfung und Fertigung summieren sich - ein halbes Jahr und mehr ist realistisch |
| Kosten | Serienpreis mit Vergleichsmöglichkeit; Angebote mehrerer Hersteller sind direkt gegenüberstellbar | Aufschlag für Entwicklung und Einzelfertigung; der Prüfaufwand fällt einmalig auf ein einziges Gerät statt auf eine Serie |
| Nachweisführung | Konformität mit DIN EN 1176 ist über die Typprüfung des Herstellers belegt - im Regelfall mit Prüfzeugnis einer akkreditierten Stelle | Der Nachweis muss für dieses eine Gerät geführt werden: Prüfung des Entwurfs sowie Abnahme nach dem Aufbau vor Ort. Wer das nicht früh einplant, verliert Wochen |
| Ersatzteilversorgung | Gut: Serienteile bleiben meist über viele Jahre lieferbar, oft auch von Drittanbietern kompatibel ersetzbar | Kritischer Punkt: Sie sind auf diesen einen Hersteller angewiesen. Fertigungsunterlagen und eine Nachlieferzusage gehören in den Vertrag, sonst wird ein Bauteilbruch nach zehn Jahren zum Ersatzneubau |
| Vergaberecht | Unkritisch: produktneutrale Leistungsbeschreibung mit funktionalen Anforderungen ist Standard und gut belastbar | Heikel: Eine zu eng beschriebene Sonderlösung kann faktisch auf einen Anbieter zulaufen. Sauber ist die funktionale Ausschreibung, die das Gestaltungsziel beschreibt und den Weg dorthin offenlässt |
| Identität & Akzeptanz | Bewährte Gestaltung, aber austauschbar - dasselbe Gerät steht drei Orte weiter | Das stärkste Argument: Ortsbezug, Wiedererkennung, ein Ergebnis aus dem Beteiligungsverfahren, das die Kinder als ihres erkennen. Presse- und Fördermittelwirkung inklusive |
| Risiko | Gering: Das Gerät existiert, ist erprobt und im Betrieb bewährt | Höher: Erstlingsstück ohne Betriebserfahrung; Nachbesserungen nach der ersten Saison sind einzukalkulieren |
Die Sonderanfertigung ist kein Aufschlag auf das Budget, sondern ein anderes Projekt - mit eigenem Zeitplan, eigener Nachweisführung und einer langfristigen Bindung an den Hersteller. Wo Identität den Ausschlag gibt (Ortsgeschichte, Beteiligungsprozess, Landmarke), lohnt sich das. Für die übrigen achtzig Prozent einer Anlage ist Katalogware die klügere Wahl - und finanziert oft erst das eine Sonderelement. Ein häufig übersehener Mittelweg: Viele Hersteller modifizieren Serientypen (Farben, Materialien, Bauteilkombinationen, Sonderfarben nach RAL) ohne den vollen Aufwand einer Neuentwicklung.
Standardgerät aus dem Katalog, wenn:
Enger Zeitplan, mehrere Geräte gleichzeitig, knappes Budget, produktneutrale Ausschreibung, langfristige Ersatzteilsicherheit
Sonderanfertigung, wenn:
Ortsbezogene Landmarke, Ergebnis eines Beteiligungsverfahrens, schwierige Flächengeometrie, Fördermittel mit Gestaltungsanspruch
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